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Was ist Salsa New York Style?

Julian Salsa & Co. BLOG Leave a Comment

Auf dieser Seite möchte ich einen kleinen Überblick über die verschiedenen Salsa-Tanzstile geben und vor allem eine wichtige Frage klären, die immer wieder viele Salseros bewegt.
Was ist New York Style genau?
New York Style ist meiner Meinung nach nicht hauptsächlich durch Tanzen auf der ‚2‘ gekennzeichnet, wie viele Salseros/-as hier in Berlin glauben. Auch Kubaner tanzen manchmal auf der ‚2‘ , deshalb sind sie aber keine New York-Style Tänzer. Und auch Standard-Latein-Tänzer kennen die ‚2‘ sehr gut (z.B. Rumba), was aus ihnen aber auch noch keine N.Y. Stilisten macht 🙂
Tanzen auf der ‚2‘ ist die natürliche Art, Latin-Rhythmen wie Rumba, Mambo usw. zu tanzen, weil die Musiker die ‚2‘ betonen (Clave, Conga Slap). Manche Tänzer sagen zu der ‚2‘ auch: Auf ‚Clave‘ tanzen (obwohl das schon wieder eine eigene Sache ist – siehe dazu weiter unten in den Kommentaren zu diesem Artikel). Wer die ‚2‘ tanzt, ist deshalb also noch kein New York Style-Tänzer. Was den New York Style genau ausmacht, erkläre ich weiter unten.
Erst mal ein bisschen Geschichte: Das Salsa-Tanzen auf der ‚1‘ ist witzigerweise wo entstanden? – In NEW YORK !!! Es gibt viele, viele sehr gute New York Styler, die auf der ‚1‘ tanzen. Das Tanzen auf der ‚1‘ wurde in den New Yorker Clubs Mitte der 70er in den Tanzkursen vor den Parties eingeführt, << weil die Tanzlehrer ( überwiegend Puerto Ricaner ) der Meinung waren, dass die sogenannten WASP’s (White Anglo Saxon Protestants) nicht wirklich in der Lage sind, als Anfänger schnell den zweiten Beat herauszuhören und zu tanzen >> (Zitat Jojakim Balzer – Berliner NY-Style-Tanzlehrer). Das Schwierige ist nicht, die ‚2‘ zu hören, sondern auf der ‚2‘ vor- oder zurückzugehen und die Pause beim Zurückkommen (der Fuss ist in der Luft) zu machen. Es ist wirklich einfacher, als Anfänger mit der ‚1‘ anzufangen – so konnten die Tanzlehrer in Crash-Kursen den neugierig gewordenen New Yorkern schnell das Tanzen beibringen. Dies gilt auch hierzulande!
Kleine Anekdote nebenbei: Die Legende Tito Puente (El rey del Timbal) z.B. hat sich über die Salsa-Szene Anfang der 70er, den Begriff ‚Salsa‘ und das Tanzen auf der ‚1‘ damals immer lustig gemacht und aus seiner musikalischen ‚Verachtung‘ gegenüber solchen Leuten wie z.B. Willie Colon (Fania Legende) anfangs keinen Hehl gemacht. Er sprach von Salsa als künstlich aufgebauschten Begriff und bezeichnete diese neue Art von Musik stets nur als afrokubanische Rhythmen. Was ihn aber nicht hinderte, später selbst ausgezeichnete Salsa-Platten zu produzieren!
Was aber ist New York-Style? Gekennzeichnet ist der New York Style durch Vor- und Zurückgehen im Grundschritt. Das – verbunden mit dem CBL (‚Cross Body Lead‘ – Platztausch) – ist eines der wichtigsten Merkmale und Grundelement im NY-Style. Weiterhin legt man im New York Style großen Wert auf Footwork zu deutsch ‚Solo Schrittkombinationen‘ – auch Shines genannt. Die bekannteste Schrittkombination ist sicherlich ‚Suzie Q.‘. Aber noch viel gravierender im Unterschied zu anderen Salsa-Tanz-Stilen ist die Philosophie: Der Mann ist dazu da, die Frau zu präsentieren, d.h. er selbst hält sich charmant zurück und gibt der Frau genügend Gelegenheit, Platz und Spielraum für eigene Figuren, Drehungen, Dips usw. – der Mann tanzt dezent – die Frau zieht die Blicke auf sich.
Das ist der grösste Bruch gegenüber dem kubanischen Stil – hier ist die Frau manchmal nur ‚Anhängsel‘ des Mannes, der sich selbst produziert und teilweise keinen (Blick-) Kontakt zur Frau mehr hält sondern diese lässig um sich herum dreht (nicht vor und zurück wie beim New York Style) oder sich von ihr abwendet. Das beantworten dann die Kubanerinnen mit besonders aufreizenden Bewegungen locker aus dem Becken heraus, welche dann wiederum die Blicke der Zuschauer auf die Frau ziehen. Als besonders ‚cool‘ bei der Salsa Cubana gilt bei manchen Männern, während des Tanzens mit anderen Frauen am Rande der Tanzfläche zu flirten. Kubanisch kann man auch auf der ‚2‘ tanzen – die Kubaner nennen das Contra-Tiempo und den Cross-Body-Lead kennen sie auch als ‚Dile que no‘. Also die ‚2‘ ist nun wirklich kein exklusives New York Merkmal! Die Idee, die ‚2‘ in der Musik zu betonen, kommt meiner Meinung nach eher aus Kuba (Afro – Kubanische Musik!) und nicht aus New York. Salsa ist zwar in New York entstanden, nicht aber der Mambo oder die Rumba oder der Son – Musikrichtungen, in denen Musiker die ‚2‘ betonen. Das gab es schon viel früher als die Salsa. Die Kubaner waren schon immer ausgezeichnete Musiker und Tänzer – sie hatten die Vereinfachung mit der ‚1‘ nie nötig! Sie haben die ‚2‘ im Blut!
Eine besondere Spielart der Salsa Cubana ist die Rueda de Casino – Salsa Cubana synchron getanzt von mehreren Paaren im Kreis. Auf besondere Kommandos des ‚Cantantes‘ hin gibt es dann Partnerwechsel und alle möglichen Figuren. Es entstehen teilweise sehr komplexe, schöne Choreographien. Rueda (Kreis) de Casino hat seine Ursprünge in den Fünfzigern und entstand in den exklusiven Clubs Kubas, bekannt als „Casinos Deportivos“.
Los Angeles Style gibt’s erst seit die Brüder Vazques sich in Los Angeles für die Salsa engagieren und u.a. mit Auftritten in Hollywood-Filmen bekannt wurden (Mitte / Ende der 90er). Dabei handelt es sich um New York Style auf der ‚1‘ verbunden mit Fallfiguren (Drops) und anderen teilweise akrobatischen Showelementen, die für Aha-Effekte und spontanen Beifall sorgen. Im Los Angeles-Style findet man auch Elemente der Salsa Cubana. Für mich ist es eigentlich eher Showtanzen. Die Vasquez – Brüder waren übrigens lange Jahre bei der Tanzschule von Eddie Torres in New York (dem berühmtesten New York – Style Lehrer der Welt).
Kubanische Timba oder auch Salsa Cubana, wie sie hier in Berlin sehr populär ist, finde ich sehr witzig – sie sprüht über vor Lebensfreude. Die Drehungen der Kubaner sind nicht weniger komplex als die der New Yorker – jeder, der schon mal Juan José Ortiz (auch Berliner Tanzlehrer) zugesehen hat, wird dies bestätigen.
New York finde ich sehr elegant (egal ob 1 oder 2). Oft wird der New York-Salsa Stil wegen seiner Eleganz auch als Ballroom-Salsa bezeichnet. Beim Los Angeles-Style geht ein wenig von der Eleganz zugunsten der Show- und Aha-Effekte verloren. Aber dies ist nur meine subjektive Meinung.
Was von allen Stilen der beste ist? Darüber zu diskutieren finde ich müßig und unsinnig – jede(r) muss für sich entscheiden, wozu er Lust hat und welche Musik er gerne hört, welche Schritte und Bewegungen ihm/ihr am meisten zusagen. Auf den Tanz-Pisten ist Platz für alle, egal ob New York-, Los Angeles- oder Kuba-Style. Que viva la Salsa!

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2001 – inzwischen gibt es einige der erwähnten Tanzschulen vielleicht nicht mehr oder haben ihren Namen gewechselt. Nun ist dieser Artikel im WEB unter diesem Titel bekannt und verbreitet worden, darum möchte ich so wenig wie möglich austauschen und den Text original so lassen, wie er ist. Viel Spass beim Lesen…

Quelle: www.salsa-berlin.de


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